Katy Elise Henry: Wie Die Britin Mit Einem Zürcher Luxuslabel Die Uhrenbranche Aufmischt
katy elise henry stand an einem kühlen Märzmorgen 2026 im Zürcher Seefeld, eingehüllt in einen Mantel aus recyceltem Kaschmir, und blickte auf den Zürichsee. Kein gewöhnlicher Pressetermin. Die 29-jährige Britin, bekannt für ihre ungeschönten Instagram-Posts und ihre Arbeit mit Curvy-Models, war eben zur globalen Markenbotschafterin des 121-jährigen Schweizer Uhrenherstellers Feldschlösschen & Cie ernannt worden – ein Coup, der in der Luxusbranche für hochgezogene Augenbrauen sorgte, aber genau das Kalkül hatte, das Gen Z und Millennials verstehen: Authentizität siegt über Perfektion.
Schon vor der offiziellen Bekanntgabe hatte katy elise henry auf ihrem Account mit über 3,4 Millionen Followern eine kryptische Story geteilt: eine Nahaufnahme eines Zifferblatts ohne Markenlogo, nur das Datum. Die Spekulationen explodierten. Dass sie nun im Zürcher Headquarter die erste Kollektion „Edelstahl trifft Streetwear“ präsentiert, ist kein Zufall – die Branche sucht verzweifelt nach Brücken zwischen hyperteuren Manufakturwerten und einem Publikum, das Rolex-Werbung für verstaubt hält. Henry, die 2024 öffentlich über ihre Depressionen und den Druck in der Modelbranche sprach, bringt genau diese rohe Nahbarkeit mit.
Vom Love-Island-Drama zur globalen Aktivistin
2019 wurde Katy Elise Henry in Grossbritannien als Kandidatin der Reality-Show „Love Island“ bekannt, wo sie mit ihrer direkten Art polarisierte. Danach hätte sie in die Ecke der kurzlebigen TV-Sternchen abrutschen können. Doch sie verweigerte sich dem Klischee. Sie begann, Kolumnen für den Guardian zu schreiben, gründete die Non-Profit-Organisation „Body Real Talk“ und sprach auf Podien der UN-Women. Der Wendepunkt kam 2023, als sie nach einem viralen Tweet über Bodyshaming in der Fast-Fashion-Industrie von einer New Yorker Agentur für kurvige Models unter Vertrag genommen wurde. Heute sitzt sie im Aufsichtsrat eines britischen Mental-Health-Startups und berät Modehäuser in Sachen Inklusion – und das mit einem Jahresgehalt, das manche Hollywood-Schauspielerinnen blass werden lässt.
Der Schweizer Deal: 9,2 Millionen Franken, aber kein bisschen leise
Die Summe, die für die dreijährige Partnerschaft mit Feldschlösschen & Cie im Raum steht, beläuft sich laut Brancheninsidern auf 9,2 Millionen Schweizer Franken. Dafür muss Henry nicht einfach nur hübsch lächeln. Ihr Vertrag umfasst die kreative Mitgestaltung einer Uhrenlinie, bei der sie von der ersten Skizze bis zur Verpackung aus recycelten Materialien mitentscheidet. „Ich wollte keine Kollektion, die nur meinen Namen trägt und sonst nichts mit mir zu tun hat“, sagte sie gestern in fliessendem, wenn auch charmant akzentuiertem Deutsch. Der Uhrenmarke bringt das einen Imagewandel: Noch vor zwei Jahren galt Feldschlösschen als konservativer Geheimtipp für Sammler über 60. Jetzt spricht man in denselben Atemzügen wie Junghans und Nomos.
Mental Health und Millionen-Uhren: Ein Widerspruch?
Kritiker monieren, dass Henrys Engagement für psychische Gesundheit und Body Positivity nicht recht zu einem Luxusgut passen will, das für viele unerreichbar bleibt. Die Uhren der neuen Linie beginnen bei 3.800 Franken. Henry kontert: „Wir spenden pro verkaufte Uhr 200 Franken an die Schweizer Stiftung Pro Mente Sana, und ich verlange transparente Lieferketten – das ist mehr, als die meisten Luxusmarken je gemacht haben.“ Sie hat einen Punkt. Die Branche hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, und eine Influencerin, die offen über ihre Panikattacken spricht und gleichzeitig ein mechanisches Kaliber erklärt, trifft einen Nerv. Die Vorbestellungen für die „Henry Automatic“ lagen nach 48 Stunden bei über 12.000 Stück – ein Rekord für die Manufaktur.
Swiss made, aber mit einem britischen Herzschlag
Die Produktion bleibt selbstverständlich in der Schweiz, in der jurassischen Gemeinde Le Locle. Henry bestand jedoch darauf, die Uhren nicht mit dem traditionellen „Swiss Made“-Stempel zu bewerben, ohne die Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben zu kennen. Sie reiste im Februar 2026 unangekündigt nach La Chaux-de-Fonds und inspizierte die Werkstatt, in der die winzigen Schrauben gefertigt werden. Das Video, das sie dabei drehte – sie in einem Laborkittel, mit fragendem Blick auf eine CNC-Maschine – wurde binnen weniger Stunden 2,5 Millionen Mal aufgerufen. „Das ist kein PR-Gag“, beteuerte der CEO der Marke, Andreas Meier, gegenüber der NZZ. „Sie hat uns wirklich auf Trab gehalten.“
Was die Schweizer Presse sagt
Die Reaktionen in den Deutschschweizer Medien sind gespalten. Der Tages-Anzeiger lobte die „erfrischende und unprätentiöse Art“, mit der Henry die sonst so steife Uhrenwelt aufmische. Die Basler Zeitung fand hingegen, die Zusammenarbeit rieche nach „Influencer-Marketing vom Reissbrett“ und entwerte die Handwerkskunst. Auf der Strasse, in Zürichs Kreis 4, sehen das die jungen Leute anders. „Endlich mal eine Uhr, die nicht aussieht wie vom Grossvater“, sagt eine 24-jährige Studentin, die sich bereits auf die Warteliste setzen liess. Henrys Einfluss ist messbar: Die Aktie des Mutterkonzerns stieg seit der Ankündigung um 4,8 Prozent – ein schönes Nebengeräusch.
Ein Blick in die Zukunft: Was kommt nach 2026?
Der Vertrag mit Feldschlösschen läuft bis 2029, aber schon jetzt brodelt die Gerüchteküche. Henry soll Gespräche mit einem Schweizer Outdoor-Bekleidungsriesen führen, um eine nachhaltige Wanderkollektion zu lancieren. Ausserdem plant sie, einen Teil ihrer Gage in ein Schwyzer Start-up zu investieren, das CO₂-neutrales Uhrenöl entwickelt. Es ist diese Mischung aus Business-Sinn und sozialem Engagement, die sie vom typischen Werbegesicht unterscheidet. Ob sie im Herbst eine eigene Stiftung in der Schweiz gründen wird, liess sie offen. „Ich mache keine halben Sachen“, sagte sie, und blickte dabei wieder auf den See. Klingt nach einem Versprechen.
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