TS Andrea Fox: Die Schweizer KI-Pionierin, Die Silicon Valley Das Fürchten Lehrt
ts andrea fox betrat den Raum im Zürcher Technopark mit der Ruhe einer Person, die genau weiss, dass sieben der zehn grössten Banken der Welt auf ihre Algorithmen angewiesen sind. Kein Getöse, keine PR-Show. Nur ein schwarzer Rollkragenpullover und ein Laptop, dessen Inhalt mehr wert ist als das Bruttoinlandsprodukt mancher Kleinstaaten. Fox, 42, hat in den letzten 18 Monaten etwas geschafft, woran Tech-Giganten mit Milliardenbudgets scheitern: ein KI-System, das nicht nur halluziniert, sondern sich selbst korrigiert — in Echtzeit. Und das, während Brüssel noch über die Regulierung von Modellen diskutiert, die bereits veraltet sind, bevor das Gesetz in Kraft tritt.
Die gebürtige Winterthurerin, die mit 19 nach Stanford ging und mit 31 zurückkehrte — müde vom kalifornischen Optimierungszwang, wie sie sagt — hat mit ts andrea fox ein Unternehmen aufgebaut, das sich jeder Kategorisierung entzieht. Es ist kein Startup mehr, kein Konzern, sondern etwas Dazwischen. Ein Gebilde, das in den letzten zwei Jahren still und leise Verträge mit der Schweizer Armee, zwei kantonalen Gesundheitsdirektionen und einem nicht näher genannten Logistikriesen aus Rotterdam unterzeichnet hat. Was genau in den Tiefen der Server im ehemaligen Bunker unter dem Uetliberg passiert, weiss kaum jemand. Fox selbst spricht selten mit Medien. Dieses Gespräch kam nur zustande, weil ein Verwaltungsrat insistierte. «Transparenz ist gut», sagte sie beim Kaffee, «aber sie nützt nichts, wenn niemand versteht, was er sieht.»
Der Bunker, die Algorithmen und das Schweigen der Behörden
Der Standort ist kein Zufall. Der Bunker unter dem Uetliberg, einst Teil des Schweizer Reduit-Systems, beherbergt heute nicht Kanonen, sondern Serverracks. Die Luft ist kühl, konstant 18 Grad, die Wände sind zwei Meter dick. Perfekte Bedingungen für das, was Fox «Noise-Cancelling für neuronale Netze» nennt. Ihr Team — 34 Personen, darunter elf ehemalige CERN-Forscher und drei ETH-Professoren im Sabbatical — arbeitet an einem fundamentalen Problem: Wie bringt man einer Maschine bei, die eigene Unsicherheit zu erkennen? Nicht die vorgetäuschte Bescheidenheit der Chatbots, die mit «Ich bin mir nicht sicher, aber…» beginnen, sondern echte, mathematisch fundierte Selbstevaluation. «Das ist der Unterschied zwischen einem Navigationssystem, das sagt ‚in 200 Metern rechts abbiegen‘, und einem, das merkt, dass die Brücke vor drei Tagen eingestürzt ist», erklärt ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte.
Die Behörden schweigen. Mehrmals angefragt, verweist das Staatssekretariat für Wirtschaft auf «laufende Abklärungen». Das Bundesamt für Kommunikation teilt mit, man beobachte die Entwicklung «mit Interesse». Was das heisst, weiss niemand so genau. Fakt ist: Fox' Firma hat seit 2024 keine öffentliche Ausschreibung mehr gewonnen. Und dennoch wächst sie. Die Aufträge kommen jetzt direkt, still, ohne Wettbewerb. «Es gibt Dinge, die man nicht an die grosse Glocke hängt», sagt Fox und lächelt zum ersten Mal in diesem Gespräch. Es ist kein warmes Lächeln.
Der Bruch mit Stanford und die Rückkehr in die Schweiz
Es gibt eine Geschichte, die über Fox erzählt wird. Sie soll 2019 in einem Seminarraum in Palo Alto gestanden haben, vor versammelter Fakultät, und einen Satz gesagt haben, der heute fast legendär ist: «Ihr optimiert für Paper, nicht für Menschen.» Dann ging sie. Die Geschichte ist wahr, bestätigt ein ehemaliger Kollege, der heute bei DeepMind arbeitet. «Andrea war immer brillant, aber sie hatte keine Geduld für akademische Eitelkeiten.» Zwei Jahre später, mitten in der Pandemie, gründete sie in Zürich. Nicht in Berlin, nicht in London, nicht in New York. Zürich. «Weil hier die Infrastruktur steht, weil die Regulierung schlank ist und weil ich meine Ruhe haben will», sagt sie. Punkt.
Die Schweiz, das wird im Gespräch deutlich, ist für Fox nicht nur Standort, sondern Strategie. Während die EU mit dem AI Act ringt und die USA zwischen Deregulierung und moralischer Panik schwanken, bietet die Eidgenossenschaft etwas, das im globalen Tech-Rennen selten geworden ist: Stabilität ohne Stillstand. Rechtssicherheit ohne Überregulierung. Und die Möglichkeit, Dinge zu testen, die anderswo sofort einen Shitstorm auslösen würden. «Wir haben hier einen Rahmen, in dem wir ehrlich forschen können», sagt Fox. «Ehrlich heisst: mit der Möglichkeit zu scheitern. Ohne dass gleich die Presse vor der Tür steht.»
Die umstrittene Partnerschaft mit der Schweizer Armee
Nicht alle sind glücklich über diese Entwicklung. Die Zusammenarbeit mit der Armee — konkret mit dem Cyber-Defence-Kommando — hat Kritik ausgelöst. Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee spricht von einer «schleichenden Militarisierung der KI-Forschung». Die Digitalgesellschaft warnt vor «intransparenten Strukturen, die demokratischer Kontrolle entzogen sind». Selbst innerhalb der ETH rumort es. Ein Professor, der nicht namentlich genannt werden will, sagt: «Was Andrea macht, ist technisch brillant. Aber die Frage ist: Wem dient es? Und wer kontrolliert es?»
Fox selbst kontert nüchtern: «Die Armee ist ein Kunde wie jeder andere. Sie hat ein Problem — Cyber-Abwehr — und wir haben eine Lösung. Soll ich warten, bis die Russen oder Chinesen die gleiche Technologie haben?» Es ist ein Argument, das in der Schweiz zieht, einem Land, das seit Jahrhunderten versteht, dass Neutralität nicht Wehrlosigkeit bedeutet. «Wir verkaufen keine Waffen. Wir verkaufen Schutz. Das ist ein Unterschied.»
Was die Konkurrenz in San Francisco nervös macht
In den Cafés von San Francisco, zwischen Mission District und Soma, wird der Name Fox inzwischen mit einer Mischung aus Respekt und Unbehagen ausgesprochen. Ein Investor, der lieber anonym bleibt, formuliert es so: «Die haben da in Zürich etwas, das wir nicht haben. Sie haben Zeit. Sie haben keinen Druck, quartalsweise zu liefern. Und sie haben Andrea.» Was genau «es» ist, will er nicht sagen. Aber er hat kürzlich versucht, drei von Fox' Mitarbeitern abzuwerben. Keiner ist gegangen. «Das ist kein gutes Zeichen für uns», sagt er. «Wenn die Besten nicht für das Doppelte gehen, dann weisst du, dass da mehr ist als Geld.»
Die Analysten von Gartner haben Fox' Unternehmen in ihrem jüngsten Bericht als «Unternehmen zum Beobachten» eingestuft. McKinsey hat eine Fallstudie in Auftrag gegeben, die nie veröffentlicht wurde. Ein ehemaliger Google-Manager, der Fox noch aus Stanford-Zeiten kennt, sagt: «Sie war immer die Klügste im Raum. Aber sie war auch immer die, die am wenigsten bereit war, Kompromisse zu machen. Das macht sie gefährlich — für die Konkurrenz.»
Der stille Einfluss auf das Schweizer Gesundheitswesen
Weniger bekannt, aber möglicherweise relevanter für den Alltag der Schweizer Bevölkerung, ist Fox' Engagement im Gesundheitssektor. Zwei kantonale Gesundheitsdirektionen — Zürich und Waadt — nutzen seit 2025 eine abgespeckte Version ihrer KI zur Analyse von Patientendatenströmen. Keine Diagnosen, betont Fox, sondern «Mustererkennung in Echtzeit». Konkret: Das System erkennt, wenn sich in einer Region ungewöhnlich viele Menschen mit ähnlichen Symptomen melden, bevor ein einzelner Arzt den Zusammenhang sehen kann. Ein Frühwarnsystem, das im Januar 2026 einen Norovirus-Ausbruch im Kanton Zürich drei Tage vor den offiziellen Meldesystemen identifizierte.
«Das ist kein Hexenwerk», sagt Fox. «Es ist einfach schnelle Mathematik mit guten Daten.» Die Gesundheitsdirektion Zürich bestätigt den Vorfall auf Anfrage, möchte aber nicht ins Detail gehen. Datenschutz, versteht sich. Die Zusammenarbeit läuft über eine Stiftung, die Fox' Firma 2023 gegründet hat. Auch das ist typisch für sie: die wichtigen Dinge in Strukturen verpacken, die nicht sofort nach Aktiengesellschaft schreien.
2026: Was kommt, wenn die Welt aufwacht
Das Jahr 2026 wird entscheidend sein. Nicht nur für Fox, sondern für die gesamte Branche. Im Dezember läuft das EU-Moratorium für bestimmte KI-Anwendungen aus. Die USA haben im März einen neuen Rechtsrahmen verabschiedet, der härter ist als erwartet. China investiert weiterhin zweistellige Milliardenbeträge. Und mittendrin: eine Firma aus Zürich, die keiner richtig einschätzen kann. Fox selbst wirkt gelassen. «Wir haben keinen Börsengang vor, wir brauchen keine PR-Offensive, und wir werden auch nächstes Jahr nicht in Davos am WEF rumstehen und so tun, als ob wir die Welt retten.»
Was sie stattdessen vorhat? «Weitermachen. Bessere Modelle bauen. Die richtigen Fragen stellen.» Sie macht eine Pause. «Wissen Sie, das Problem der meisten KI-Firmen ist, dass sie Antworten verkaufen, bevor sie die Fragen verstanden haben. Wir machen das umgekehrt.» Es ist einer dieser Sätze, die nach Soundbite klingen, aber wenn Andrea Fox sie sagt, glaubt man ihr. Vielleicht, weil sie nicht lächelt dabei. Vielleicht, weil sie recht hat. In jedem Fall wird die Welt in den nächsten Monaten genauer hinschauen müssen, was da in dem Bunker unter dem Uetliberg eigentlich passiert. Die Antworten werden nicht weniger komplex sein als die Fragen.
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