Aimee Lou Wood überrascht Am Zurich Film Festival 2026: Ein Star Auf Der Durchreise?
aimee lou wood schlendert durch die Altstadt von Zürich, eine Tasse Glühwein in der Hand – und niemand erkennt sie. Es ist Ende September 2026, das Zurich Film Festival läuft auf Hochtouren, und die 32-jährige Britin ist nicht als Ehrengast gelistet. Sie ist einfach da. Ein privater Trip, sagt sie, aber die wenigen, die sie ansprechen, bekommen ein breites Lachen und eine Umarmung. Wood, die mit ihrer Rolle in der Netflix-Serie „Sex Education“ weltberühmt wurde, meidet grosse Auftritte. Stattdessen sitzt sie in einem versteckten Café am Limmatquai, bestellt Rösti und erzählt von einer neuen, fast verstörend intensiven Drehphase in den Bündner Bergen.
Vor zwei Jahren noch schien die Karriere von aimee lou wood auf eine typische Hollywood-Schiene zu zusteuern: Oscar-Nominierung für „Living“, dann ein Buddy-Film mit Bill Nighy, dann ein Angebot für ein Marvel-Spin-off. Sie lehnte ab. Stattdessen zog sie für sechs Monate in ein Dorf im Engadin, lernte Surmiran, filmte mit einer Handvoll Leuten ohne Drehgenehmigung und nannte das Projekt „Der letzte Schnee“ – ein stiller, spröder Film, der heute Abend in einer Sondervorführung am Festival gezeigt wird. Die Presse ist elektrisiert, aber Wood bleibt ruhig. „Ich habe keine Lust, ein Produkt zu sein“, sagt sie und rührt in ihrem Tee. „Die Schweiz hat mir gezeigt, wie man verschwindet und trotzdem etwas Bleibendes schafft.“
Der Aufstieg eines britischen Talents
Woods Ursprünge sind in Stockport, einer rauen Gegend bei Manchester, wo sie mit ihrer alleinerziehenden Mutter aufwuchs. Schauspielerei war Flucht, dann Berufung. RADA-Abschluss, dann 2019 der Durchbruch als Aimee Gibbs in „Sex Education“ – eine Figur, die mit Panikattacken und Selbstzweifeln kämpfte, aber nie lächerlich wirkte. Woods Gabe, Tragik und Komik in einem Atemzug zu servieren, machte sie zum Liebling der Kritiker. Die Serie lief vier Staffeln, und während andere Co-Stars in Blockbuster sprangen, drehte Wood 2022 „Living“ mit Oliver Hermanus. Ein Remake eines Kurosawa-Klassikers, reduziert, bleiern, und sie hielt mit Bill Nighy mühelos mit. Die BAFTA-Nominierung als beste Nebendarstellerin war die logische Folge.
Vom Netflix-Hit zum Arthouse-Kino
Der Sprung vom Teenie-Phänomen zum ernsten Kino gelang Wood mit einer Behutsamkeit, die ihresgleichen sucht. Sie suchte keine Agenten, die ihr die nächste Franchise-Rolle sichern, sondern Regisseure, die wenig reden und viel zeigen. 2024 drehte sie „Sweet Dreams“ in Belgien, ein surreales Drama über eine Schlafwandlerin, das in Cannes den Preis für die beste Darstellerin gewann. Danach folgte ein Theaterengagement in London, ein Tschechow-Stück, das fast vier Stunden dauerte. Wood sagt, das Publikum habe am Ende geweint, nicht wegen der Geschichte, sondern weil sie die Bühne nicht verlassen wollte. „Ich will nicht alle zwei Minuten auf einem Plakat kleben. Ich will, dass man mich vermisst.“
Neue Rolle in den Schweizer Alpen
„Der letzte Schnee“ ist ein Wendepunkt. Wood spielt eine Glaziologin, die auf einer verlassenen Forschungsstation im Corvatsch-Gebiet strandet. Kein Handy, kein Dialog für die ersten zwanzig Minuten. Die Kamera beobachtet, wie sie Schnee schaufelt, einen alten Dieselgenerator repariert und in ein Tagebuch schreibt. Regisseur ist der Zürcher Lukas Bischof, der zuvor nur Dokumentationen über Bergbauern gedreht hat. Gedreht wurde im Februar 2026 bei minus 25 Grad, mit einem Team von acht Leuten. Wood bestand darauf, alle Stunts selbst zu machen – inklusive einer Szene, in der sie in eine Gletscherspalte rutscht. Die Versicherung tobte, aber Bischof sagt: „Aimee ist ein Naturereignis. Sie braucht keine Sicherheitsnetze.“
Persönliche Begegnung: Ein Gespräch mit der Schauspielerin
Im Café bei Zürich redet Wood schnell, lacht laut und unterbricht sich selbst. Sie ist nicht die Person, die man aus roten Teppichen kennt. Sie trägt einen Pullover mit Löchern, eine Wollmütze, die sie in einem Secondhand-Laden in Chur erstanden hat, und redet über die Schweiz mit einer Zuneigung, die an Heimweh grenzt. „Ich bin hier nicht berühmt. Ich kann in den Coop gehen und niemand zückt ein Handy. Das ist ein Geschenk.“ Auf die Frage, ob sie eine Wohnung in Zürich kaufe, winkt sie ab. „Ich habe ein Zimmer in einem Bauernhaus in S-chanf. Das reicht.“ Sie zeigt ein Foto auf ihrem Handy: ein Holzbett, ein Fenster mit Blick auf die Bernina. Kein Filter, kein Schnickschnack.
Warum die Schweiz für Aimee Lou Wood zur zweiten Heimat wird
Die Faszination für die Schweiz ist kein Zufall. Woods Grossvater war Bergführer in den Dolomiten, und sie selbst ist seit ihrer Jugend begeisterte Kletterin. Im Engadin fand sie nicht nur eine Kulisse, sondern eine Art inneren Takt. „Die Stille ist nicht leer, sie ist voller Geschichten. In London hörst du immer Sirenen, Baustellen, das eigene Ego. Hier hörst du den Wind und das Eis. Das ist wie ein Reset fürs Gehirn.“ Sie hat begonnen, intensiv Deutsch zu lernen, mit einem Privatlehrer aus Chur. Ihre Aussprache ist noch holprig, aber sie kann schon Witze auf Schweizerdeutsch verstehen. „Ich will nicht die Ausländerin sein, die nur Englisch spricht. Respekt ist wichtig.“
Ausblick: Was kommt nach dem Festival?
Nach der Vorführung von „Der letzte Schnee“ wird Wood noch zwei Wochen in der Schweiz bleiben. Sie plant eine Wanderung auf den Piz Palü und will danach in einem Theaterworkshop in Bern mit Flüchtlingen arbeiten. „Ich habe keine Ahnung, was als nächstes kommt. Vielleicht ein Film über eine Bäuerin im Jura. Vielleicht gar nichts. Ich habe genug Geld, um ein Jahr lang nichts zu tun.“ Ihr Agent in London soll verzweifelt sein, aber Wood zuckt mit den Schultern. „Wenn ich nur noch Rollen annehme, die mir Angst machen, dann ist das okay. Angst ist der beste Motor.“
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